19.11.09

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Besuch von Malou Tinambacan in der Pfalz:

 

Tagebuch zum Partnerbesuch von Malou Tinambacan und Divina Guerra

in der Pfalz vom 07. bis 30. Oktober 2009

Mittwoch, 07.10.

Aufstehen in aller Herrgottsfrühe und zum Flughafen. Der Flieger landet kurz vor 7 Uhr - sogar 4

Minuten vor der Zeit auf der Anzeigetafel. Wir parken viel zu weit vom Terminal 1 A entfernt,

müssen dann 1 km zurücklaufen..3 Flieger müssen gleichzeitig ausgeladen werden, wir warten über 1

Std. Dann sind sie da und freuen sich überschwänglich- wie wir. Malou scheint recht „gut drauf“ zu

sein, ihre Gesichtszüge wirken gelöst. Auch Divina strahlt, wir kennen sie ja schon seit über einem

Jahrzehnt.Es treffen sich hier wirkliche gute, alte Freunde.

Ich fahre durch die Baustellen ohne Stau gemächlich zurück, während Bärbel mit den beiden auf den

Rücksitzen ausgiebig parliert, es herrscht eine gelöste, liebevolle Atmosphäre, Divina, zum ersten

Mal bei uns, staunt über unsere Landschaftsformen und- ansichten im Herbst, über die abgeernteten

Felder, Bärbel erklärt die Wachstums- und Erntevorgänge- in völligem Unterschied zu ihrer

tropischen Heimat. D. ist ein unverheiratetes 39-jähriges Bauernmädel, dem der Vater zur

Bewirtschaftung ein Stück Land überlassen hat, für das er – wie für das Reisfeld daneben - pünktlich

Steuern zu zahlen hat (wenn nicht gezahlt wird, droht die Enteignung).--Pünktlich sind wir wieder in

Rockenhausen, wo wir von den Lauterern schon erwartet werden. Zusammen mit den beiden

genießen sie Bärbels Zwiebelkuchen, die „ungeheure“ Menge an Zwiebeln (aus den Cevennen, von

Willy, Ediths Bruder ) hat Eberhards Frau Wiltrud, die uns jetzt 8 Tage Gesellschaft leisten wird,

geschnitten, es stinkt im ganzen Haus (Edith und Eberhard sind uns kurz hintereinander

weggestorben...) Das folgende Essen ist von Bärbel und von – Conchita Wick zubereitet (C. Ist

Hermann Wicks philippinische Frau; sie leben halbjährlich in Rutsweiler b. Wolfstein und in ihrem

über Jahre hin mehr oder weniger in Eigenleistung erbauten „Weißen Haus“ auf der phil. Urlaubsinsel

Bohol auf einem Hügel hoch über der Stadt Tubigon, wir durften sie dort schon zwei Mal besuchen).

Der anschl. „Verdauungsspaziergang“ führt uns hinunter ins verschlafene, aber baulich ganz

eindrückliche Rockenhausen, wo die Kotzerkes nach langen“Debatten“ endlich doch das Laufrädchen

für ihrern jüngsten Enkel erstehen. Zurück, trinken wir Kaffee und stopfen den

mitgebrachten Kuchen in uns rein. Dann ist Malou gefragt. Sie läßt die mitgebrachten, von den

Subanon gebastelten Bambusröhren verteilen und übt mit uns Klopfrhythmen ein, die sie

allwöchentlich mit einer großen Kinderschar meist auf der Wiese vor dem MISPA-Haus einübt.

Sie lernen dabei auch das Zählen und die Zahlen, was in der Elementarschule, sofern sie sie

überhaupt besuchen, ganz offensichtlich vernachlässigt wird. Man glaubt es nicht.....Malou breitet

eine große bedruckte Stoffplane aus, auf der MISPA die Ökumenische Philippinenkonferenz grüßt

und ihr langes Leben wünscht, M. wird dort einen Workshop halten. Worüber wir sehr froh undstolz

sind...Dann verziehen sich die zwei zum Schlafnachholen, auch die andern „verdröpseln“ sich

so nach und nach. Dies war der erste, gelungene Besuchstag.

08.10.

Ausflug „in kleiner Besetzung“ nach Bad Kreuznach- zur Diakonie und zum Weltladen in den

Räumen der Diakonie. Mit Rudi Mader, Wiltrud Rimpler, dem Ehepaar Wick, den Filipinas und

Bärbel an meiner Seite fahre ich „gen Osten“. Kurz vor Bad Kreuznach wird’s plötzlich finster und

dann rauscht auch schon ein Schauer in „Tropenqualität“ herunter. Aha, werden sie denken, dieses

Germany ist garnicht so ohne...! Wir flüchten in den geräumigen Weltladen, wo uns die „Chefin“,

früher Managerin in der Wirtschaft, freudig begrüßt. Sie verkaufen auch MISPA-Chips und Salabat

und sind nun sichtlich erfreut, ihre „Geschäftspartner“ persönlich kennen zu lernen.

Es werden Fotos gemacht und gute Gespräche geführt. Wir kaufen ein im Regio-Markt, der die

breite rechte Seite des Ladens einnimmt. Die Lebensmittel kommen von den Bauern der Umgebung,

(nur z.T. Bio), die hier für einen vernünftigen Preis verkauft werden. Fairer Handel hat halt seine

zwei Seiten. Hier weiß man das...

Gegenüber dem Laden macht sich die Diakonie sichtlich breit: Ein langes, neues, fabrikähnliches

Gebäude, drinnen ein – riesiger Floh- oder auch Antik-Markt! Von Haushaltsartikeln über ein großes

Möbellager bis zur Kleidung in allen Größen und Preislagen (z.B. Leder) gibt’s hier alles aus Second

Hand. Die Diakonie sammelt, päsentiert und verkauft. Und garantiert Behinderten----Arbeitsplätze!

(In dem großen Karree gibt es sogar eine Radl- und Auto-Werkstatt).

Ohne Regen laufen wir über die „Kurstraße“ auf die Brücken-Häuser zu und über die Nahebrücke in

die gemütliche Altstadt. Unten auf der breit gestauten Nahe breitet ein „Wasseradler“ - ein Kormoran

– seine Flügel zum Trocknen aus. Alle gucken hin und wundern sich.. Und schnell müssen wir

umdrehen: wieder klatscht ein Schauer runter. Finden Unterschlupf beim Italiener an der Ecke, wo

Malou, man staune, ein Bier trinkt, Divina Sprudel, nachdem ihr B. die Kohlensäure „rausgerührt“

hat. Bitzelwasser ist sie nicht gewöhnt. Durch Schwachregen trollen wir uns zurück zum Auto und

fahren über Obermoschel heim.

Am Abendtisch, reich gedeckt mit- Dosen-Fisch (Rudi: „Wir leben 800 Km von der See entfernt“),

entwickeln sich gleicherweise ernste wie lustige Gespräche, es überwiegt aber das Lachen v.a.

Divina's, weil sie unterwegs alte Klamotten von Bert anhatte und sich selbst jetzt umbenannt hat in

„Berta“......Sehr bald verdrücken sich die beiden zum Schlafen. Und wir—atmen aus bei einem

Weinchen, schleichen uns dann gegen 1/2 11 Uhr auch ins Bett.

PS: Nach dem Besuch in den Diak. Anstalten saßen wir auf feuchten Stühlen im Freien im Salznebel

der Heilquelle, etwas ganz Besonderes für unseren Besuch. Sie schnuppern und atmen tief ein und

wollen garnicht mehr weg...

Vorher, in den „Markt-Hallen“, aßen wir im „Antik-Café“ zu Mittag, bedient von – siehe oben –

„lieben Mädels“. Es gab Hackbraten und Linseneintopf, gerade richtig für unsere Beiden...

Dafür und für den „geruhsamen“ Tag bedankte sich Malou vorm Schlafengehen ganz herzlich.

09.10., Fr

Heute ist Casa-Mispa-Lädchen-Fest mit den Lauterern.Unser grüner Sonnenschirm wird aufgestellt,

dazu Tische mit Bananenchips, Salabat, Mangoschnitzen und EW-Leckereien vors Schaufenster.-

dies alles in Erwartung der „zahlreichen“ Besucher. Obwohl sich später der Andrang in Grenzen hält,

kommen doch einige nette Kunden und Sympathisanten vorbei. Sie werden den beiden, die beiden

den Leuten vorgestellt, auch das Ladeninnere wird frequentiert. Das Wetter: Bewölkt und sehr

frisch-, für M+D e i s i g . Sie zittern, ihre Hände gleichen Eisklumpen, schade, ganz ganz schade,

nicht nur für sie....Erst am Nachmitag gibt’s ein wenig Sonne, wärmt uns aber kaum, weil Trude's

Haus mit dem Laden im Schatten bleibt ( T. ist Bärbels angeheiratete Verwandte; mit Ende 50 wurde

sie dement und „lebt“seit Kurzem in der Pflegeanstalt). Trotzdem sind alle guter Dinge. Wir gehen

mit den zweien zum Essen beim Toni am Marktplatz, während Bärbel den Laden hütet. Bevorzugt

bedient und satt, harren wir anschließend bis ½ 4 am Lädchen aus, auch Hermann Wick leistet uns

wieder für eine Weile Gesellschaft.

Nach einem Neuen Wein mit den Lauterern im „Museum am Reinhardsberg“ - Malou schon bei

ihrem 1. Besuch 95: „Ihr lebt ja in einem Museum!“ - sind wir nur noch zu fünft und liegen von ½ 6

bis ½ 8 „derschlagn“ auf'm Ohr...Dann gibt’s ein Süppchen, natürlich mit Reis, und phillipinische und

pfälzer Früchte: Mitgebrachte reife Mangos und Lanzones-,Äpfel, Birnen und Zwetschgen. Vor allem

Divina liebt unsere Äpfel, sie schmecken ihr paradiesisch, wie sie sagt. Die ausländischen auf dem

Markt in Oroquieta sind äußerst fade, wie sie betont...Den „Neuen“ und die Dannenfelser „Keschde“

kosten sie kaum. Sie sind müde, der Abgang schon um ½ 9 nach oben zeichnet sich ab.

Resümee: MISPA ist hier wieder ein Stück bekannter und durch die Anwesenheit der Frauen

präsenter....geworden.

10.10., Sa

In der Nacht und am Morgen hatte es wieder Starkregen (Gegen Mittag hellt es auf, aber um 12 ist's

schon wieder dunkel. Und kalt leider auch...Der schöne Spätsommer ist passé). Während ich mich

breit mache mit der Zeitung im Bett,sitzt „man“ im Wohnzimmer und unterhält sich.

Bärbel geht mit Divina und Wiltrud zum Bäcker, Malou „reflektiert“ oben weiter am Schreibtisch.

Am späten Nachmittag wollen wir in Erzhütten sein. Um 18 Uhr ist Gottesdienst, in dem sich Malou,

wenn sie darf, bedanken möchte für die jahrelange Unterstützung durch die Kirchengemeinde (ihrem

Sohn Hope haben wir seinerzeit das Leben gerettet, er hatte sich als Kleinkind durch das Trinken von

Seifenlauge die Speiseröhre verätzt und brauchte über Jahre hinweg eine Intensivbehandlung). Auch

das Herbstkonzert der Männerchöre und des Ökumenischen Singkreises anschließend steht auf

unserem Progamm. Es sind – auch für Wiltrud Rimpler – Begegnungen mit alten Bekannten, z.T.

„vergessene“ Erinnerungen werden aufgefrischt, die immer noch mit Emotionen..verbunden sind.

( W. konnte in der Nacht darauf kaum schlafen; sie hat mit ihrem Eberhard in Erzhütten ein Haus

gebaut, ihre beiden Kinder sind mit den unseren dort aufgewachsen Im GD hält Kollege Herzer eine

beachtliche Predigt über die Begegnung Jesu mit der kananäischen Frau, sie „paßt“ sehr gut zum

Besuch unserer beiden aus der Ferne... Malou darf ihr Grußwort sprechen an die Gemeinde, die sich

zusammensetzt aus einer 20-köpfigen Taufgesellschaft aus der Nachbargemeinde, unseren

Vereinsmitgliedern und ganz wenigen anderen GD-Besuchern. Malou hat schon daheim gebetet für

diese Gelegenheit. Bärbel übersetzt- lt. Wiltrud „sehr gut“.

Das Konzert der Chöre nebenan im Gemeindehaus birgt außer einem beachtlichen Männertrio keine

Überraschungen, sie singen zumeist das bekannte“Neuromantische“, kein Wunder, daß der

Sängernachwuchs fehlt. Auch im Singkreis gibt es keine Jugend...Für unseren Besuch war's trotzdem

etwas Neues, Interessantes. In der Pause verlassen wir „unser“ schönes 1983 gebautes Gemeinde -

haus und sind gegen 10 Uhr wieder in Rockenhausen. Im Rückblick halten sich für mich die

„schmerzlichen Gefühle“ doch sehr in Grenzen, frühere „Wunden“ sind weitgehend verheilt.

11.10., Sonntag

Am – gemütlichen – Vormittag schauen wir uns über PC und Beamer Bilder von unserer letzten

Philippinentour im März 09 an. Nach Anruf bei Karolin und Familie wird kurzfristig ein Besuch in

Rheinbay, dem Ortsteil von Boppard hoch überm Rhein, vereinbart. Bei Regen fahren wir hin (und

später heim). Die Weber-Veith's sind liebevolle Gastgeber. Wir trinken zusammen Kaffee und gehen

mit ihnen in einer Regenpause auf das Hochplateau unterhalb ihres Hauses- mit herrlichem Rhein-

Blick.(Vorher schon allgemeines Staunen über das Verhalten der beiden Hauskatzen Luzie und Leo.

Luzie, schon etwas alt und dement, verfolgt mit dem Kopf, sonst aber regungslos, minutenlang eine

Mücke, die sie auf dem Heizkörper zu narren scheint, Leo schaut wie meist vom Fensterbrett „fern“

und – obwohl hungrig – verschmäht Haare sträubend das ihm angebotene Trockenfutter.) Nach

einem Imbiß verabschieden wir uns schon in der Dämmerung und fahren die erleuchtete Rheinstraße

entlang und durchs Nahetal die in der Nacht und bei Regen viel länger erscheinende Strecke zurück.-

Bei Rotwein, Neuem und Wasser geht’s dann zur Sache. Bärbel bittet ihre Freundin Malou

nachdrücklich um direkte und umfassende Anworten auf ihre Fragen hinsichtlich MISPA und seiner

Aktivitäten. Auch „Vollzugsmeldungen“, überwiesene Beträge und ihre Verwendung betreffend, sind

unbedingt erforderlich. Malou bittet um Verständnis für ihre komplizierte Situation und die

vielfältigen Aufgaben, die auf ihr lasten. Als Beispiel führt sie an ihr z.Zt. engagiertes und

zeitraubendes Eintreten für eine ihrer wichtigen Mitarbeiterinnen. Diese muß ständig polizeilich

geschützt werden vor ihrem alkoholsüchtigen Mann, der sie schon mehrfach mit dem Messer verletzt

hat und sie und die Familie jetzt umzubringen droht. Malou selbst ist seit dem gewaltsamen Tod ihres

Mannes schwer schlafgestört und darum eigentlich nur eingeschränkt„zurech-nungsfähig“. In der

Führung der Selbsthilfeorganisation MISPA mit ihren 10 Kooperativen ist sie ziemlich allein,

Blackouts der verschiedenen Art werden folglich immer wieder bei ihr auftreten. Bleibt nur zu

hoffen, daß diese tapfere, glaubensstarke Frau nicht aufgibt..., daß alles weitergeht, wie bisher.......

12.10., Mo

Heute waren sie zu viert in Kaiserslautern: Beim treuen alten Ehepaar Kirch, im Welt-Laden bei der

Vorsitzenden der „Partnerschaft Dritte Welt“ Sabine Dockhorn-Hillebrand, und beim Asiaten in der

Steinstraße zum Essen. Während ich am Haus mein „Vergnügen“ fand beim Nüsse Aufklauben,

Blätter Einsammeln und weiteren Gartenarbeiten...Um 17 Uhr sind sie zurück und- liegen sofort auf

dem Ohr: Für den Abend hat sich unser Sohn Axel angesagt. Er kommt nach der Arbeit von Gießen

über die Autobahn und bleibt über Nacht. Spät, weil im Stau steckend, kommt er an, morgen in aller

Frühe fährt er wieder zurück zur Uni in G., wo er in einer medizinischen Forschungsgruppe

arbeitet. Er freut sich sehr, die Beiden zu sehen und sich mit ihnen auszutauschen. Nach dem

Abendbrot wird er mit dem Tamboboo, den Rhythmus-Stäben aus Bambus, bekannt gemacht, Malou

erklärt ihre Arbeit mit den ca. 40 Kindern aus Lopez Jaena, die sich jeweils freitags im/am MISPAHaus

einfinden.

Dann geht’s um die politische Situation im allgemeinen und jetzt vor den Neuwahlen im Mai 2010.

Da Unruhen vorprogrammiert sind, sollten vor Reisen in die Philippinen die Risiken abgeschätzt sein.

13.10., Di

Wiltrud, die uns eine Woche lang in der Gästebetreuung wirkungsvoll unterstütz hat – der Dank von

MISPA und Pro MISPA ist ihr gewiß – fährt wieder heim nach Lauterbach/Hessen, wo ihr Eberhard

noch kurz vor seinem Tod ein Haus ganz in der Nähe der Tochter gekauft hat. Nach mehr oder

weniger schlafloser Nacht werde ich gnädig in die Sauna in KL „entlassen“, Bärbel kutschiert M+D

zum Welt-Laden in Frankenthal und zum Treffen mit den dortigen MitarbeiterInnen ab 19 Uhr. Nach

3 Stunden intensiver Begegnungen kommen sie erst um ½ 12 wieder zurück. Auch wenn es immer

wieder Pausen gibt: Sie werden kräftemäßig und zeitlich doch ziemlich gefordert....Malou beißt auf

die Zähne und nimmt die Herausforderung an, unablässig refelektiert und schreibt sie oben

„Tagebuch“ (auch Divina schreibt fleißig in ihr Tagebuch...).„Für die MISPA-Mitglieder zu Hause

und für die Leute hier“ (Zitat Malou).

14.10., Mi

Schon morgens um ½ 9 ist Empfang beim Oberbürgermeister in Kaiserslautern (er ist beim Umwelt-

Radeln vom Rad gefallen und hat sich verletzt. Ob er uns überhaupt empfangen kann ?!) Nach kurzer

Nacht müssen die Armen schon wieder früh aus den Federn. Divina schafft's auf den letzten

Drücker.In Lautern empfängt uns, wie vorauszusehen, nicht der OB, sondern die Bürgermeisterin

Leonhard-Wimmer. Wir werden im Casimir-Bau ins Turmzimmer gebeten, von den 20 „Begleitern“

hat es vorher noch niemand gesehen (auf alten Bohlen stehen wuchtige, historische Möbel, die

Wände sind dunkel holzgetäfelt wie die niedrige Decke- die allerfeinste Stube also von KL...).Die

(über)große Frau ist ganz nett bzw. distanziert freundlich und interessiert. Nach einer 3/4 Stunde und

nach einem Gruppenfoto verabschiedet sie sich, wir gehen zum Welt-Laden, trinken Kaffee und essen

Plätzchen. Dann geht’s den Pfälzer Wald hinauf ins „Haus der Nachhaltigkeit“ auf Johanniskreuz.

Die Ausstellung ist recht schön gemacht, störend ist allerdings im Eingangsbereich der Kommerz, der

ein wenig dem Anliegen widerspricht. Im Naturfreundehaus „Finsterbrunnertal“ besetzen wir 2

Tische, essen pfälzisch „Brootworschd, Lewwerknepp un Saumaache“ und fühlen uns wohl

zusammen mit unsern Gästen. Im Industriegebiet von KL kriegt dann Malou endlich auch neue,

bequeme Schuhe (wie vorher schon Divina, die in dieser Hinsicht von Kurt Constantz großzügig

„beglückt“ wurde...) dann sind wir um ½ 4 p.m. wieder in ROK und ruhen uns aus. Später kommt

Rudi Mader wieder dazu- zum Reden und Pokulieren....Erst um 12 liegen wir in den Federn

15.10., Do

Ausgiebiges Frühstück mit „Palaver“ zwischen uns einschl.Rudi und „ihnen“.

Da sie auch hier „zeitlos“, d.h. nach „phipippine time“(„Komm ich heit net,komm ich morje“, sagt

dazu der Pfälzer) leben, kriegen sie jetzt von uns Uhren verpaßt. Bei Kremser in Rok: hübsche

Armbandührchen für relativ wenig Geld. Als wir zurückkommen, brennt im kleinen Zimmer zum

ersten Mal ein Holzfeuer, entfacht von Rudi. In der Nacht hat es zum 2. Mal gefroren, jetzt sind's

knapp 5 Grad, der Vor-Winter läßt grüßen (Divina hofft inzwischen auf Schnee, den sie in natura

noch nie gsehen hat...). Am Nachmittag sind wir bei Knut Deutschle in seinem „Museum für Zeit“.

Er selbst hat es mit seinen Helfern über Jahre hinweg aufgebaut in einem umgebauten alten

Rockenhausener Bauernhof. Es enthält vorwiegend toll restaurierte Turmuhren aus Deutschland und

Frankreich (auch ein wertvolles Stück aus Paris ist dabei...), aber auch mittelalterliche und sogar

antike „Zeitmaschinen“ werden präsentiert. Rockenhausen nimmt dadurch in Germany eine

herausragende Stellung ein, ein zweites, vergleichbares Museum gibt es nur noch im Norden. Knut,

der unermüdliche Sammler, Mechaniker, Museumsleiter und kompetente Fremden-Führer in Einem,

ist selber da und führt uns durch die Räume. Rudi, der die Sache nur vom Hörensagen kannte, ist tief

beeindruckt und verspricht, mit Freunden in KL bestimmt wieder zu kommen. Auch unsere Beiden

machen immer wieder große Augen.- Am Abend entwickeln sich wieder lange Gespräche über

Planung und Verlauf des von Malou zu leitenden Workshop auf der Ökumenischen

Philippinenkonferenz“ am nächsten Wochenende bei Vallendar im Westerwald. Auch Divina kriegt

ihren – wichtigen – Part zugeteilt.

16.10., Fr

Interview der hiesigen „Rheinpfalz“-Redaktion mit uns und M+D. Die junge Volontärin aus Landau

interessiert sich auch noch für das letzte Detail unserer Partnerschaft und die Zustände in den

Philippinen und auf Mindanao, dem „Wilden Süden“, wie sie im Norden sagen. Von MISPA will sie

alles wissen, die persönlichen Befindlichkeiten der beiden Frauen werden genau analysiert...

Wenn ihr Chef sie nur läßt, dann wird die Frau einen umfangreichen und tollen Artikel über unser

„Sorgenkind MISPA“ etc. schreiben. (Er hat sie lassen. Es wurde ein Fünfspalter, mit einer

Farbfotografie der beiden; so gut sind wir schon lange nicht mehr von der Presse behandelt

worden !!).

Am frühen Nachmittag sind wir in Hofheim a.Ts. bei dem Ehepaar Luyendyk, Edith's Freunden,

wo wir schon vor Jahren mit einer anderen Philippinengruppe herzliche Aufnahme fanden.

(Ingeborg Luyendyk war Austauschschülerin bei unserer verstorbenen französischen Freundin Edith

Goll, die mehrfach mit uns bei den Partnern war, ) Nach dem Kaffeetrinken in dem „herrschaftlichen“

-für philipp. Verhälnisse: fürstlichen – Haus führt uns Peter L. auf einem Kurztrip durch die

Innenstadt von Frankfurt und dort auch in den Dom (in dem ich vor vielen Jahren noch als Schüler

einmal war. Inzwischen von Grund auf renoviert, beeindruckt er – außer durch seine vielen

mittelalterlichen Schnitzaltäre – vor allem durch seinen erhaben hohen gotischen Stil. Das Ambiente

ist festlich elegant, wie es sich für eine Königs – Kaiser – Krönungs – Kathedrale gehört...)

Am Abend fährt uns Peter mit seinem Audi nach Taunusstein/Wehen zur katholischen Kirche, in der

Kathy Kelly, ehemaliges Mitglied der bekannten „Kelly-Family“, ein Solokonzert gibt. Diese etwa

Vierzigjährige ist für uns alle eine tolle Entdeckung. Nicht nur daß sie glänzend singen und „röhren“

kann – sie beherrscht spielerisch drei Oktaven - sie imponiert vor allem auch durch ihre

unaufgeregte, selbstbewußte Persönlichkeit, mit der sie das Publikum – zu 2/3 ausgemachte Fans der

Kelly – in ihren Bann zieht. Mehrfach erwähnt sie ihren Vater - in den 70er und 80iger Jahren der

Leiter der Kelly Family - , der seine 6 (?) Kinder von Klein auf für die Musik (v.a. Irische Folklore)

zu begeistern verstand. Seine Tochter, die die nichtssagende moderne Kirche zum strahlenden

Musentempel verwandelt, stellt die Mehrheit heutiger Pop- und RocksängerInnen mit Sicherheit weit

in den Schatten. Unsere Filipinas sind hell begeistert, zumal einige der Lieder ihren „Schmalznerv“

direkt treffen.

17.10., Sa

Nach gemütlichem Frühstück, anschl. mit Ingeborg und Peter Besuch des Gallusmarktes in Hofheimden

gibt's schon seit dem Mittelalter. Die Innenstadt ist alt, hat schöne Fachwerk- und Steinhäuser in

pittoresken Gässchen. Das Händlervolk ist unaufdringlich, die Luyendyk's treffen eine Menge

Freunde und Bekannte, die auch Aussteller für diverse karitative Werke sind. Mittagessen beim

Chinesen mit vielen netten Gesprächen zwischen „Süd und Nord“ in ganz lockerer Atmosphäre. Um

15 Uhr Abschied von den Hofheimern und Fahrt in den Taunus nach Ruppertshain zu Elizabeth und

Roland Brossler, E. ist Filipina und alte Bekannte Malou's aus Lopez Jaena.

Roland, ein eingefleischter Hesse, hat ein Arbeitsleben lang bei „Fraport“ im Flughafen gearbeitet

und bezieht dafür nun eine Rente von knapp über 1.000 \ .Was hat der Herr Schröder da nicht alles

an Porzellan zerdeppert, die Quittung für seine Partei bei der Bundestagswahl 09 ist nicht mehr als

gerecht...!Drei Filipinas palavern jetzt in atembraubendem Tempo in Cebuano, während Bärbel und

ich mit Roland nach oben ausweichen zum Hören und Anschauen von Roland's „Impressionen“ über

die Leute in Lopez Jaena, sein dortiges Haus, seinen Sohn Peter und über Land und Leute in den

Philippinen. Der Gute, stellt sich raus, lebt in seiner nun unbegrenzten Freizeit im Geiste ganz und

gar in den Philippinen, daß er sein weiteres Dasein – was er vorhat - trotz gersundheitlicher

Probleme ganz dorthin verlagern kann, wünschen wir ihm von Herzen...

Mit seiner Rente ist er dort kein armer Mann. Die Heimfahrt gestaltet sich etwas schwierig wegen

der vielen „konjunkturzweibedingten“ Baustellen bzw. Umleitungen. Bärbel schafft es trotzdem in

time über den Donnersberg, um ½ 10 sind wir wieder da.

18.10., Sonntag

Wir gehen zum Gottesdienst mit Pfr. Roos (gleicher Jahrgang wie mein Neffe, aber nie mit fester

Pfarrstelle, weil er immer wieder psysische Probleme hat/hatte; z.Zt. ist auf Zoar...) Er predigt

salbungsvoll erwecklich, bezieht aber ganz nett die Konfis in das „Geschehen“ ein.Danke für den

Dienst am Wort“, sagt der der alte pietistische Prediger zu ihm am Ausgang....)Bärbel meint: Das

war gerade das Richtige für die zwei mit ebenfalls leicht pietistischer Prägung, auch weil er langsam

und frei redete, sodaß sie gut übersetzen konnte.

Am Abend besuchen wir mit den Zweien den „Don Giovanni“ von Mozart im Pfalztheater in KL.

Keine leichte Kost für alle, nicht für sie, weil sie klassische Musik einfach nicht kennen und Theater

wie das Unsere schon garnicht, für uns nicht, weil allein schon 3 Stunden sitzen ein Problem ist. Mit

meinem mangelnden Englisch versuche ich uns....die Handlung beizubringen: Von dem

rücksichtslosen Frauenheld, der gerade auch in den besten Kreisen immer wieder seine willfährigen

Opfer findet, bei seinen Eroberungen einen Mord begeht und dafür von dessen Geist in die Hölle

verstoßen wird.-

Es ist eine grandiose Aufführung mit hervorragenden Sängerinnen und Sängern, einem glänzenden

Orchester, gutem Dirigenten und einem adäquaten, modernen Bühnenbild. Über allem aber strahlte

Mozarts herrliche, die Charaktere überaus treffende Musik- ein Meisterwerk im doppelten Sinn, das

sicher auch unsere Freundinnen angerührt hat, auch wenn sie weder Italienisch verstanden noch die

Übersetzungsleiste oben lesen konnten. Vor Beginn und in der Pause saßen wir am vorausbestellten

Tisch im Foyer bei Sekt und Schnittchen und bekamen Besuch von Ingrid vom Laden. Es ist unser

46. Hochzeitstag.....

19.10., Mo

Heute, am kirchlichen Hochzeitstag, gibt es keine großen Außenunternehmungen.Wir nehmen uns

vor, uns jetzt schon gründlich auf unseren Part bei der Ökumenischen Phil.Konferenz vorzubereiten,

lassen' s aber gemütlich angehen mit einem kleinen Abstecher nach Falkenstein. Im„Falkensteinerhof“

essen sie am Nachmittag eine Schweinshaxe. Das kennen sie, wird auch bei ihnen zu Hause bei

Festen aufgetischt. Das von mir irrtümlich bestellte große Pils bleibt halb im Glas, wir müssen ja

(s.o). noch ernsthaft arbeiten..Der herrliche Blick bei herrlichem Sonnenschein von oben hinunter in

die westpfälzer Hügellandschaft – man sieht bis zum Fernsehturm bei Kaiserslautern und bis zur

Sickinger Höhe- beeindruckt vor allem uns.“Landschaft“ dort genießt man nicht, man braucht sie

höchstens- zum Leben......Auf der Burgruine Falkenstein,(schon im 13. Jahrhundert eine Reichsburg)

schaut sich v.a. Divina um, sie will auch auf die Mauern klettern, darf aber nicht. Statt dessen

sammelt sie die Nüsschen der dicken Buche im Burghof ein und kostet sie.Über das deutsche Wort

„Buche“ kichern sie, in Cebuano bedeutet es „Scheide“...

In Rockenhausen wird dann endlich gearbeitet: Poster und Bilder von 98 bis 2008 werden

ausgesucht, „Strukturpläne“ geschmiedet etc. etc. Später am Abend – die andern liegen entweder im

Bett (Divina) oder arbeiten am Computer (Malou) -sitzen wir beide noch lange vor Kurt's und

Eberhard's Videos, freuen uns über das Gewesene und sind traurig. Wieviel Schreckliches und

Unbegreifliches ist doch inzwischen geschehen !!

20.10. Di

Sie sind eingeladen von den Welt-Leuten in Bad Dürkheim, Bärbel bringt sie hin. Dort dürfen sie sich

vor 27 Leuten präsentieren, Rede und Antwort stehen und sich anschließend beim Italiener

verwöhnen lassen. Ich- darf mich absetzen zum Relaxen im Monte Mare in KL. Die neue Ruhe-Halle

dort macht mächtig Eindruck, sie „schluckt“ mich gleich für zweieinhalb Stunden............

21.10., Mi

Schon am frühen Morgen wird es ernst: Bärbel versucht zusammen mit Malou den Workshop zu

strukturieren bzw. ihm ein klares Gerüst/Konzept zu geben. Ich höre zu und merke, wie schwierig

das ist, v.a. auch deswegen, weil Malou zuächst einmal „grundsätzlich falsch“ versteht. Nach ca. 2

Stunden – ich mußte mich inzwischen zurückziehen – scheint das Ganze dann doch zu stehen,

Bäebel ist jedenfalls ganz zufrieden.

Nichts steht fest! Nachmittags wird weiter gefeilt, und dann geht das Gespräch über zu den Internas

in MISPA. Auf Grund der Verdächtigungen und Gefährdungen, denen die Mitglieder immer noch und

immer wieder ausgesetzt sind, ist die Gesamtlage eher besch..eiden. Malou kann sich nach wie vor

nicht alleine vors Haus oder irgendwohin wagen, einzelne MitarbeiterInnen versucht man wieder und

wieder abzuwerben, MISPA soll gefälligst aufhören zu existieren. Dabei ist Malou inzwischen

offizielles Gemeinderatsmitglied und in Lopez Jaena eine geachtete Person, selbst die Polizei am Ort

ist ihr wohlgesonnen und sichert das MISPA-Haus mit regelmäßigen Streifenfahrten ums Gelände. Es

sind „anonyme Kräfte“von „außerhalb“, angeheuerte Leute vom Geheimdienst: Kriminelle und

Militärs, die für ständige Unruhe und Gefahr sorgen. Immerhin, der Mörder von Malou's Mann

Jemias wird jetzt gerichtlich gesucht, kann sich also nicht mehr, wie bisher, frech in der Öffentlichkeit

zeigen. Seine Festnahme liegt freilich in weiter Ferne, weil die Justiz einerseits hilflos, andererseits

selbst korrumpiert ist. Wie geht doch der Spruch?:“ Zustände wie im alten Rom......“

22.10., Do

Am Morgen stattet uns Rupprecht Beuter von der Evang. Erwachsenenbildung Nordpfalz einen

Besuch ab (er pflegt mit Andern seit Jahren eine Partnerschaft mit ev. Christen auf WestPapua/Indonsien;

auch dort regieren: Schreiendes Unrecht, Gewalt und Mord.. So traurig es klingt: Wir sitzen im

selben Boot...). Ich komme vom Friseur, da sitzen sie noch um den Frühstückstisch beim

Frotzeln.Darin ist Rupprecht Meister, die Damen lachen sich „Äste“ über seine Sprüche.

Bärbel regelt per Telefon den morgigen Tag- mit Zwischenstopp inBoppard bei Karo's Freunden

Fausta und Oktay, einem türkisch-italienischen Ehepaar mit (Feinschmecker)Restaurant am Rand der

Innenstadt. Ich „geruhe zu ruhen“ und fahre anschl. ein bißchen Rad, auch die andern machen Pauseaußer

Malou. Sie sitzt noch immer am PC und überarbeitet ihr Referat zum Thema „Mission im

Wandel...“, zu halten morgen bei der ?PK.....Sie hält laufend Kontakt zu MISPA über Handy und

Internet.

Gleich nach dem Abendbrot verschwinden sie nach oben, derweil sich Bärbel am Computer abquält,

DVD's und Handyfotos über Beamer abrufen zu können. Owohl ihr auch der Sohn am Telefon nicht

helfen kann, schafft sie's nach einer Stunde tatsächlich allein ! Geduld und Hartnäckigkeit zahlen sich

eben meistens aus (nichts für mich...)..

Morgen um 11 Uhr kommt Rudi mit der Bahn, um mit uns zur Konferenz zu fahren.

23.10., Fr

Über Boppard, wo uns Karolin und Laura, unsere große (verliebte ) Enkeltochter, Gesellschaft

leisten beim Essen im „Dayan Grill“ (s.v.), mit Rudi Mader und den beiden über die Autobahn nach

Simmern(Westerwald) und dort zum „Berg Moriah“, einem der Schönstatt-Priester- und

Bildungshäuser, wo für 2 Tage die Ökumenische Philippinenkonfernez stattfindet. Nach und nach

trudeln die Teilnehmer ein, am Ende sind es statt der usprünglich eingeplanten 60 73 (!), darunter ca.

20 % junge Leute,v.a. junge Frauen, die – wie sich herausstellt – zum Teil eine ganze Zeit lang

Hilfsprojekte in den Philippinen bzw. auf Mindanao betreut haben. Eine höchst erfreuliche Sache,

bestehen so doch Aussichten, daß eine engagierte junge Generation die überregionale

Philippinenarbeit in Deutschland einmal fortsetzen wird. Nach den Einführungsreferaten über

„Mission gestern und heute in den Philippinen“ von Joy und Solidarität von Rainer Werning entwirft

Malou vor dem Plenum ihr Missionsverständnis, das sich am Evangelium und den Profeten orientiert.

Im Zentrum steht darum die Hinwendung zu den Armen und Entrechteten (z.B. in ihrer Heimat). Es

folgt ein Kennenlernabend, wobei vor allem die Jungen nette Programmbeiträge liefern (sie bieten

alles in perfektem Englisch dar, an Übersetzung ist nicht gedacht. So ändern sich die Zeiten.) Später,

im kleinen Kaminzimmer, herrscht zeitweise starkes „Leibergedränge“ und unerträgliche Lautstärke.

Der Raum für Gespräche ist viel zu klein, ein zweiter Raum, in dem Einige sitzen, ist unmöbliert...

Im Gespräch mit Dieter Zabel ergeben sich für uns interessante Perspektiven dergestalt, daß wir uns

im kommenden März vielleicht zeitweise seiner bayerischen Reisegruppe anschließen könnten, die in

Sachen „Eine-Welt-Arbeit“ eine Rundreise in den Philippinen vorhat.

24.10, Samstag

Der Vor- und der Nachmittag ist den verschiedenen Workshops zum obigen Thema gewidmet. Malou

und Divina ziehen das Thema am Beispiel ihrer Selbsthilfeorganisation MISPA auf. Da gleichzeitig 2

andere Work Shops angeboten werden mit den Thema der (unterdrückten..) Menschenrechte -

wozu auch Bärbel, Rudi und ich tendiert hätten -und einer über die Partnerschaft im Bistum

Limburg, ist die relativ geringe Teilnehmerzahl verständlich. Die 14 um Malou versammelten Leute

lassen sich zunächst von ihr über „Sinn und Zweck“ von MISPA informieren. Trotz

überkonfesioneller Arbeit ist die Basis des gesamten Werkes die Bibel Alten und Neuen Testaments

(leitet sich der englische Name „MISPA= Mission for Indigenious Selfreliant People Assistance“doch

gleichzeitig auch vom hebräischen mispah ab: Trotz räumlicher Trennung unter Gottes Schutz

zusammenstehen).Wobei den 13 Denominationen in der Organisation der biblische Glaube von der

evangelischen Pfarrerin freundlich angeboten, aber nicht übergestülpt wird. Teilhaben an den

Segnungen der MISPA-Gemeinschaft, sich mitteilen und einbringen und im gleichen Atemzug die

„Güter des Lebens“ so weit als möglich mit allen teilen- dies sind die geltenden und von allen

anerkannten Grundsätze in MISPA. Dazu gehören untrennbar das (jesuanische) Dasein für die Armen

bzw. Ärmsten und als Konsequenz daraus der Einsatz für Gerechtigkeit, die Menschenwürde und die

Menscherechte sowie der behutsame Umgang mit der Schöpfung.Malou sieht in dem allem ihren

höchst eigenen missionarisch-christlichen Auftrag in einem Land, das von der Macht- und Geldgier

und der erbarmungslosen Gewalt einer dünnen reichen, seit der spanische Kolonisation privilegierten

Oberschicht beherrscht wird. Als konkrete Ergebnisse und Anregungen aus dem anschließenden

Gespäch sind festzuhalten:

Die chistlichen Mitglieder in MISPA, v.a. die Pfarrer und Priester, haben gemäß ihrem Auftrag im

weitesten Sinn stets auch Entwicklungshelfer zu sein. MISPA kann auch unter den gegebenen

schwierigen Umständen beispielhaft ausstrahlen auf andere nichtstaatliche und staatliche

Aufbauorganisationen. MISPA setzt Maßstäbe für die Behandlung der Lumad=philipp. Urbewohner,

in diesem Fall für die versprengten Gruppen der Subanon, durch die Bevölkerungsmehrheit in der

Region Misamis Occidental.So setzt der MISPA-Vorstand z.Zt. alles daran, den S. wenigstens kleine

Teile ihres geraubten Landes zurückzugeben bzw. gerichtlich verschreiben zu lassen. Die

Organisation ist zu bewundern für ihren Mut,allen Widrigkeiten und Menschenrechtsverletzungen

zum Trotz Stand zu halten,beharrlich weiterzuarbeiten, die ungerechten Zustände öffentlich

anzuklagen, eine gerechte und konsequente Justiz zu fordern und dadurch dazu beizutragen, daß

sich in dem gebeutelten Land ein friedlicher Wandel hin zum Besseren vollzieht.

Bedingt durch Zeitverschiebungen und generell durch die hohe Zahl der Teilnehmer, die das

Leitungsteam naturgemäß vor Probleme stellte, konnte auch Malou's Workshop mit uns und den

andern nicht voll befriedigen . Unsere Filipinas waren's trotzden zufrieden. Sie konnten sich den

deutschen Philippinen-Engagierten zeigen und sie auf ihre Probleme und Nöte aufmerksam

machen.Der Jubiläumsabend „25 Jahre ÖPK“ verlief etwas langweilig und- zu ernst. Die schwer zu

verdauenden Filme über schwerste Menschenrechtsverletzungen in den Philippnen gegen Ende des

offiziellen Teils ließen hinterher keine fröhliche Stimmung mehr aufkommen. Daran änderten auch ein

Sketch der Jungen, ein Quiz und die netten Tanzdarbietungen der drei von außen engagierten

Damen nichts. So konzentrierte sich das Gesellige wieder auf das Beisammensein im Kaminzimmer.

25.10., Sonntag

In der großen Hauskapelle der Schönstätter treffen wir uns zum Gottesdienst mit Agapemahl, der

vom „Fortsetzungsausschuß“ der Konferenz vorbereitet und von Joy, einer philippinischen Pfarrerin

der Vereinigten Evang. Mission in Wuppertal , geleitet wird. Wir spüren: Das ist das einigende Band,

das uns zusammen hält...Die anschließende Auswertung der Tagung mit Rainer Werning war geprägt

von sehr viel Zustimmung, aber auch von Kritik an Konzept und Verlauf der beiden Tage. Im

Mittelpunkt der Kritik stand die weitgehende Sprachlosigkeit zwischen Jung und Alt, auf beiden

Seiten die Scheu, aufeinander zuzugehen und sich gegenseitig auszutauschen. Die hohe

Teinehmerzahl der Jugend war aber auch zu überraschend, als daß sich das Leitungsteam und die

älteren Teilnehmer auf die neue Situation hätten einstellen und ihre positiven Schlüsse daraus ziehen

können. Ähnliche Gefühle mögen die jungen Leute bewegt haben.

Nach dem Mittagessen und dem Ende der Tagung „schleppten“ wir Rudi und die beiden noch 150

km weiter nach Kirchberg bei Lollar-Ruttershausen in Oberhessen, wo unser Sohn Axel mit Frau und

Kindern seit Sommer 08 lebt. Die liebevolle Aufnahme bei den jungen Webers – vor allem die 4-

jährige Anne kriegt sich über ihren(!) Besuch nicht mehr ein, während uns der 2-jährige Hannes klar

macht, wo wir sind, nämlich in „mein Haus“ -, der Kaffee und der gute Kuchen stärken uns für die

lange Heimfahrt im Dunkeln mit nur kurzem Stau bei Frankfurt. Ereignisreiche Tage enden gegen 21

Uhr in Rockenhausen.

26.10., Mo

Vom Morgen bis zum frühen Nachmittag versuche ich mich zu erholen- mit einer happigen Erkältung

(keine Schweinegrippe...). Während Rudi in seinem Haus an der Hahnenbalz in KL gefordert

ist, lassen sich unsere beiden mit Bärbel im Café in der Stadt interviewen durch Frau Dohrenbusch

vom Evangelischen Kirchenboten der Pfalz. Wie schon früher, so soll der Partnerbesuch von M+D

auch dieses Mal unserer kirchlichen Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.

27.10., Di

Die Besuchszeit der beiden läuft langsam ab. Für den späten Nachmittag ist die Abschlußfeier mit

Pro MISPA und mit den Welt-Laden-Leuten im großen Saal der Alten Eintracht, dem modernen

kirchlichen Zentrum in KL, angesetzt. Ab 3 wird der Saal mit Philippinen-Sachen schön dekoriert

und die Posterausstellung -nach Schwerpunktthemen sortiert-aufgehängt. Da noch Zeit ist, nimmt ein

Teil von uns die beiden mit in die italienische Eisdiele, wo sie sich noch einmal einen großen

Eisbecher einverleiben.-

Zur Feier sind dann 26 Leute erschienen, zu wenige.. Die Erwarteten und nun Fehlenden hatten

unglücklicherweise alle wichtige persönliche Termine, viele drückten hinterher ihr großes Bedauern

aus, nicht dabei gewesen zu sein .Nach dem einfühlsamen Vor-Spiel zur Einstimmung durch Klaus

Leppla auf der Geige - sein musikalischer Partner war kurzfristig verhindert; Klaus spielt auch später

noch zweimal – finden die Vorsitzende vom Laden, Sabine Dockhorn-Hillebrands, Bärbel und ich

liebe Dankes- und Abschiedsworte für M+D, Malou und Divina bedanken sich noch einmal

überschwänglich für die erfahrene Fürsorge und Liebe bei uns“hier und dort“. M. spricht von der

Liebe Gottes als der Triebfeder ihres Handelns. Die freilich die verlorene Liebe-, die Umarmung ihres

geliebten, ermordeten Mannes nicht ersetzen kann.....Der Beamer wirft noch Bilder von unserer

letzten Phiippinenreise an die Wand- und das gemeinsame, von den Frauen vorbreitete Essen

beschließt einen gelungenen, besinnlichen Nachmittag und Abend.

28.10., Mittwoch

Dieser Tag – 2 Tage vorm anstrengenden Rückflug – dient der Ruhe und Entspannung.

Am frühen Nachmittag soll's noch einen kleinen Ausflug nach Kirchheimbolanden geben-in die

„Kleine Residenz“, wie sie sich dort in Anlehnung an ihre fürstliche Vegangenheit nennen (Mozart

spielte in der barocken Pauluskirche der Fürstin auf der Orgel vor..)Wir parken an der Kreisverwaltung,

da schlägt Bärbel einen kleinen Abstecher vor zum Ausländeramt, um den Bediensteten

zu zeigen: 'Schaut her, auch mit Eurer Beihilfe haben wir's geschafft, sie sind hier!' Im Innern dann:

Welch eine Überraschung!“Wie schön“, sagt der neue, türkischstämmige Beamte, „waren sie noch

nicht hier?“ Wir verneinen. „Ja, und wann fliegen sie zurück“?, fragt der junge, nicht unsympathische

Mann. „Was, in 2 Tagen?!“, ruft er aus. „Wissen Sie denn nicht, dass die beiden ein von uns

ausgestelltes Formular beim Zoll im Flughafen vorlegen müssen, das dann wieder von dort mit der

Ausreisebestätigung an uns zurückgeschickt wird? Nur so kriegen Sie Ihr für die beiden hinterlegtes

Geld wieder“...Und sofort will er sich dranmachen, die Papiere am Computer vorzubereiten und zu

speichern, wobei ihm die Kollegin im Hintergrund assistieren möchte. Es ist nur noch 1 Stunde bis zu

ihrem Feierabend, sie müßten also Überstunden machen, woraufhin ich beschließe, morgen noch mal

herzufahren und die Formulare abzuholen.

Was für ein Dusel! Ohne unsern „Besuch“ dort und ohne die besagten Papiere hätten M+D sich in

der Deutschen Botschaft in Manila als wieder „Zurückgekommene“ vorstellen müssen, und erst über

langwierige, diplomatische Umwege wären wir wieder an unser Vereinsgeld gekommen.....

Wir mußten pro Person 2.500 Euro bei der Bank festlegen!

Umso entspannter können wir jetzt durch den Schloßgarten mit seinen alten. z.T. exotischen

Baumriesen schlendern...

29.10., Donnerstag

Abschiednehmen im kleinen Pro MISPA-Kreis in Rockenhausen.

Ab 10 Uhr trudeln sie ein, die alten Getreuen. Auch Sylvia und Peter Schniz sind wieder zurück von

ihrer Südamerika-Tour und kommen dazu. Nach meinem „Wort in den Tag“ aus Hesekiel 8 spricht

Malou- zuerst über ein Bibelwort und dann mit bewegenden Abschiedsworten an uns alle. Noch

einmal holt sie weit aus und erklärt die ?nderungen, die sich seit ihrer - erzwungenen - Rückkehr zu

MISPA ergeben haben. Aber was sie sagt, riecht immer noch nach urchristlich-sozialistischen

Prinzipien im Zusammenleben der Mitglieder. Das unbedingte Teilen untereinander steht bei allem im

Vordergrund. Sie spricht von den 3 Säulen, auf denen MISPA ruht, eine davon sind wir und unsere

Gemeinschaft in ProMISPA. Dann verliest Divina ihre Dankesrede, das geht besser als das freie

Reden, mit dem sie sich doch schwer tut, sie, die zu Hause nur ganz selten englisch zu reden

gezwungen ist. Dann aber legt sie das Papier weg und spricht frei zu uns. Und wir spüren: Was sie

sagt, kommt aus tiefstem Herzen. Sie unterstreicht das selbst, als sie von der für sie gänzlich

ungewohnten Kälte draußen spricht und von der menschlichen Wärme, die ihr hier entgegenschlägt

und die sie die kalte Witterung vergessen läßt. Jetzt gibt es nochmal Bilder vom März 09 und von

ihrem nun zu Ende gehenden Besuch. Und nach dem gemeinsamen Mittagessen viele gute

Gespräche. Nach 5-stündiger herzlicher Gemeinsamkeit stellen unsere Leute beim Abschied fest: So

offen und herzlich wie mit den beiden, war's noch mit keiner der bisherigen Besuchergruppen.- Auch

der Abend unter 8 Augen verläuft mehr als schön. In immer intensiver werdenden Gesprächen hin

und her – auch Divina ist voll dabei – geht es auch um interne, z.T. intime Dinge- z.B. des

Zusammen- bzw. Auseinanderlebens von „Christenleuten“ dort und bei uns. Zur Sprache kommt das

Menschlich-Allzumenschliche, die Eifersüchteleien und Intrigen unter Pfarrers- und Gemeindeleuten

(Divinas 70-jähriger Vater hat z.B. allen Grund , enttäuscht zu sein von der derzeitigen Pfarrerin in

Lopez Jaena ). Malou und Bärbel betonen dabei ihren Willen, trotz allem Unmut und allem Streit –

wie das uns Christen ansteht – die Menschen miteinander zu versöhnen.

Am Ende sind wir alle dankbar für diesen großartigen Tag..........

30.10., Freitag, Tag des Rückflugs

Schon um ½ 10 Uhr fahren wir weg, um im Flughafen genügend Zeit zu haben, um uns umzusehen,

evtl. mit den beiden auf die Besucherterrasse zu gehen und den Riesenvögeln ein wenig zuzusehen

beim Landen und Starten.

Unter den ersten sind wir gegen ½ 12 am Eincheckschalter, alles klappt, das Gepäck ist nicht zu

schwer (auch nicht das Handgepäck, das die mißgelaunte „Abfertigerin“ eigens überprüfen läßt).

Dann trinken wir Kaffee und warten auf Roland Brossler, der sich zum Wiedersehensagen

angemeldet hat. Nach einer halben Stunde vergeblichen Wartens – Roland hat die Fluggesellschaften

Katar und Cathay verwechselt und stand am falschen Flugsteig – entschwinden sie um 13.30 Uhr

durch die Sperre, und sind weg- ohne sich noch einmal umzudrehen. So sind sie, die Filipinos/nas.

Ein bißchen anders halt als wir...........

Und sie sind gut angekommen. Ja und-- bedanken sich per E-Mail und Inernet noch einmal ganz

herzlich für alles Liebe, das ihnen bei /durch uns geschenkt wurde.......................................

 

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Stand: 19.11.09